Saturday, 20 May 2017

Der Parkbank Pinkler
Kapitel XVII: Grund genug

„Es ist die Frage, weiter, rücksichtslos weiter, oder aufhören, Schluss machen.”
—Thomas Bernhard


XVII.

Er sitzt auf einem Bett allein im Haftraum. Es liegen gegen ihn Hinweise für drei verschiedene Straftaten vor. Das ist Grund genug, ihn hier zu behalten. Verdächtigt ist er, einen Obdachloser in Hafennähe erschlagen zu haben. Der Verdächtiger wurde aufgefunden, mit der vermutlichen Opferjacke bei, samt Blutflecken. Er hat die Tatsache weder eingestanden noch bestritten. Wie er in den Besitz vom Bekleidungsstück kam, hat er bisher geschwiegen. Präzisere Details zu den Vorwürfen gibt es auch noch nicht.

Vor etlichen Stunden am Uferweg hinter Märkischem Platz wurde er von einem Streifenpolizist wachgerüttelt. Vielleicht ist es schon ein Tag her. Wenige Tagen davor war dieser Wachmeister auf den relevanten Ermordeten gestoßen, auf den selben Bank liegend, Kopf in Richtung Jannowitzbrücke zeigend, wie später der vom vermutlichen Täter, was der Blauer nicht umhin kam zu bemerken, wenn auch nur nebenbei.

Nun ist es unserm Verdachtsperson nicht entgangen, dass dieses Bett jener Schlafbankfläche in Größe und Form entspricht. Es ist wohl von dünn gepolsterten Brettern im Knast die Rede, aber den eckigen Latten gegenüber, was nicht unerheblich zu Hüft- und Nierenschmerzen führt, fühlt es sich hier behaglich an.

Er wägt das Für und Wider weiter ab: Hier gibts Schlafplatz und Essen. Wärme. Ein Klo. Eine Dusche. Selbstverständlich, nimmt man an, jedoch Schurken, die einem eventuell Gewalt antun. Doch draußen gibts sie auch. Und Mord ist grad angesagt. Dafür ist die Zeit irgendwie. Schlafplätze und Essen sind scheiße und stets aufdringlich im Kopf anstatt im Magen. Matratze wird irgendwann immer geklaut. Auch wenn es nicht kalt ist, ist es manchmal kalt.

Außerdem gibts keinen Blickkontakt mehr, geschweige denn das Miteinander. Ob es hier drin gibt? Auf der Straße wird es sich überall vor Unbehagen bis Ekel abgewendet. Dadurch wird sich die Minderwertigkeit andauernd verfestigt. So bloßgestellt zu werden, dass einer in diesem Welt versagen hat. Dass einer den Wille nicht besitzt. Dass man ab irgendwann diesen Wille als unerreichbar erlebt und auf dem Gehweg sitzt und Blickkontakt meidet auch nur kurz zu sehen zu bekommen.

Und das noch indirekt gegenseitig von der breiten Masse, indem sie den Blick meidet auch nur kurz zu werfen, um nicht selber bloßgestellt zu werden, dass sie einiges erkennt. Dass zum Beispiel Wohnungslosigkeit eine Ursache des Alkoholismus sei, ist Quatsch. Weil, was auch nur teilweise Quatsch ist, ist schlicht Quatsch. Dass obwohl es sich allezeit besoffene Penner gab — mit Leberzirrhose bis in der rot befleckten Nase erscheinend, die den größten Schauplätze der Erde schmücken und besudeln —, dass eine ursprüngliche Ursache tief in sich herumtreibt und sich wiedererkennt in den menschlichen Steinen, die in den Weg liegen.

Dass, was teilweise Quatsch ist, ist schlicht Quatsch, insofern Symptome zur Ausrede werden, Grund genug, dem Bettler keine Hilfe zu leisten und, wenn schon, nicht weil er damit Alkohol sucht, sondern weil er nicht im Besitz von diesem Willen ist. Tief im Inneren erkennt man den Unterschied zwischen diesem Willen und dem Lebenswillen. Ersteres ist Lebenslust, was unser Gefangener vermutet, nur gerochen zu haben. Gesehen. Gehört. Davon gehört. Observiert.

Zwischen damals, als er glücklich genug war, Unterlage und Wände unterm Dach zu haben — Grund genug, glücklich zu sein und trotzdem nicht glücklich —, und seitdem er auch ohne dieses weitermacht, ist der Lebenswille ohnehin de facto vorhanden. Und nun, obwohl das Ernähren eine Frage von Ob anstatt Wann und Wo und Wieviel ist, eine gewisse Ungewissheit herrscht über alles, die sagt, falls einer zuhört, warum man so treibt. Warum nur?

Diese allmächtige Ungewissheit heißt Todesangst. Ebenfalls darum wird den Blick abgewandt. Überdies ist das Augenkontakt soweit verloren wie es aus dem Gedächtnis unsrer Verdachtsperson verschwunden, wann er das erste Mal erkannte, mit dem Fluch von Lebenswille ohne Lebenslust beladen zu sein.

Zumindest von der Lage her sind alle Gefangene einigermaßen gleich. Ob sie vertraut verkehren ist rein akademisch. Das Arbeitsrätsel erledigt sich auch. Hier bedrängt der Wille nur die, die auf freiem Fuß wollen. Heute Nacht wurde gegessen und gut geschlafen. Grund genug zu gestehen ist seiner Gedanke, was sich von selbst versteht und auf ihn wirkt geradezu wie eine gewaltige Erleichterung.

Mit einem aufschreckenden Knall wird die Flurtür aufgesperrt. Widerhallende Sohlen begleiten einen schleppenden Schlüsselbund und kommen der Zelle nah. Der Schatten des Wärters kommt zuerst an, dicht gefolgt von seiner Gestalt. Sie versammeln sich vor den Gitterstäben und werfen einen neuen Schatten dahinter. Der stoppt, schließt um, schiebt auf und meint, »Die Beweiskraft der Indizien reicht nicht aus um Sie hier weiter festzuhalten. Sie dürfen nun gehen.«

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Wednesday, 17 May 2017

Incredible sorcery ≠ credible sources.

There are so many things that make the current American president unacceptable to me, but I don't see them taken up by the resistance to his presidency (hash-tagged or otherwise). Such an issue is conventionally disregarded, not because it's buried by distraction (which it is) but because it does not rise to the level to meet with the resister's resistance unless it's been hammered into their consciousness parallel to their first learning to form full sentences, like the issues of national allegiance, federal law enforcement, and espionage.

I really couldn't care less about the state of the FBI. The only good that's come out of that organization is seen through fictional depictions and Eliot Ness' Wikipedia page. Theirs is such a deep record of oppressive behavior, blowing the lid off of the occasional crime ring cannot make up for serial entrapment and murder. But I'm even more sceptical about the virtue of US intelligence or the sanctity of its sources. The mere fact that these statements are potential enough to reap my own harassment &/or surveillance might land me broader sympathy if not for the short circuit of intellect that takes place when such topics arise. 

It's the result of lazy thinking, which in fairness to the lazy thinkers is the result of social conditioning, which, given where this has led, functions now like an authentic incantation that manipulates the emotional mind of its subject-objects, who take their views for rational rather than the affect they really are.

As to the things distracted from, their extant state in the public record would be well enough to get the consideration they deserve were it not for counter-conditioning that keeps them clear of the emotional radar the subject-objects are disciplined to react to. For example, the president's readying another hundred billion dollar death package to Saudi Arabia is standard operating procedure. Mundane even. Boring. Coupled with the inbred acceptance that secret state science saves humanity from the bad guys, questions of credibility don't involve having to think.

I'm not trying to assert that there are not categorical differences of real and potential illegality at play in the current White House. On the contrary. I just don't care about them. Nor are the constitutional matters coincidental. They underpin the problem I'm complaining about. The shadiness seen from political actors in my lifetime most often conveniently lands linguistically, and therefore legally, in the area of mistakes made: irresponsibility, negligence, maybe recklessness. Even then the language is spun by those absolved of crossing statutory boundaries. You know, politics.

But more frankly I don't give a shit about Russian spies and oligarchs because the American ones and the ones of their official allies have acquitted themselves horrendously as it relates to the state of the world today, and their only answer is to do battle with the symptoms they've caused rather than address their own complicity. Not that I would expect them to.

The last thing I expect, however, is a people trained to think a certain way to recognize its least comforting manifestations. The current phenomenon suggests monumental peril at the hands of a historically duplicitous acting president. That this might be beside a certain point, that his presidency in and of itself might be extraneous to the world's problems seems to occur to almost no one.

Of course, this is only my version of a plausible explanation for the popular state of mind. I am not convinced that the people who are actively railing against the shocking traitorous criminality of the American president even care about his implicit disloyalty. They're just responding to stimuli. And it sure gives them good cause to care that much less about things he has in common with his predecessors, which is something his removal from office would do less than zilch to mitigate.

See also: Kayfabe WILL be reestablished, session by session.

Saturday, 13 May 2017

Matryoshki Eggs o' Jesus

"Io, their soft inheritance is bound to unfounded prospect."
Sheets of Prometheus Unraveled

To say it had been a hard fought primary campaign that effected a bitterness that led to the most vindictive convention that threatened to split the party apart once and for all — not just the way it's said to be every primary season but most verily now — would be understating the treacherousness of the path traversed. Now, two and a half months later, upon the evening of the general election, the gathered felt certain of that path's fortune. Not only had they stuck together to their principles and overthrown the corrupt party leadership, but their unlikely August triumph had manifestly inspired the entire nation, sailing their candidate into office with a majority that even the general opposition admitted amounted to a mandate.

With this seismic success at hand in mind, the frenzy smoldered from within the hall when the brand new president-elect took to the podium for a victory speech that given the circumstances probably would be the most genuinely worthy of any assembled hyperbolic cliché in the history books. Once the noise had ebbed such that it seemed the speech would begin, the collective set of tear streaming eyes summoned a symbolic vision from the depth of meaning behind their witness: no longer a political victory speech, this was a priestly observance invoked by the unprecedented level of emotional energy yet concentrated in any such proportional space.

Sunday, 7 May 2017

Organic Gates of Matryoshki

just look at the reds
our story paints a picture
cloak over veneer

uppermost frameup
of vast southern exposure
dulles does dallas

their cover stories
disclosure gag reflexes
told in drips and drabs
always smaller shells
placeholders for misplaced dreams
limited hangouts

the cap in the hat
for each intrigue a russkie
warring commission

pointing fingerprints
modern stench revolution
preemptive pretense

Monday, 1 May 2017

The Fist of May

As it relates to the fruits of labor beyond just harvest, this first day of May means a number of things, down to nothing, depending upon where one comes- or is coming from. Being an American by arbitrary birthright I can observe the spectrum from ignorance to disregard. The European perspective — which, perspectives being as they are, one should in no way claim capacity of even the most far-flung interpretive representation — is hardly of one voice as to the significance of International Workers' Day, or how it should or shouldn't be observed.

There are non-Europeans who think they know how things are different in Euroland and are comfortable acting as authority on the matter. There are non-Euros who know better, but act as authority all the same. There are those who admit ignorance, but will say they get the general idea and don't have too big a problem arguing a viewpoint on it. There are those who are less comfortable in this final regard, but not to the extent that you won't hear plenty of peep out of them. Wherever the end of this line is, it doesn't have anyone on it who'll admit they don't know what the fuck they're talking about, counting myself. If there's a silent majority, they ain't sayin' shit.

Friday, 28 April 2017

Der Parkbank Pinkler
Kapitel XVI: erhellend und matt

XVI.

Dies ist die Geschichte von Kraft und Leere. Nicht allzu kompliziert zu erfassen, wenn man deren Wesentliche erleben hat oder wie hier, ist man bislang mit der Zusammenwirkung von Kräften und Leere ausgekommen. Jedoch verschachtelt ist der Geschichte wie die Kreisen der Hölle, wenn erzählt werden muss, über kräftige Leere gegenüber leeren Kräften und dann noch über leere Kräfte gegenüber kräftigen Leere. Gar nicht zu reden vom Verklausulieren nötig seitens des Erzählers.

Sunday, 23 April 2017

Drei Dem Magier in Rot

new average highs
too when wintry spring lingers
eventually

like breeze in the trees
her sibling depression greets
melancholia

amphibians croak
syllables serenading
on unsung morae